Das Kilometergeld für Ärzte bei Hausbesuchen beträgt in Österreich 0,50 € pro Kilometer (PKW) und ist eine der wichtigsten steuerlichen Entlastungen für Mediziner mit Patientenbesuchen außerhalb der Ordination. Ob Hausarzt, Wahlarzt oder ärztlicher Bereitschaftsdienst – wer das private Fahrzeug für Hausbesuche nutzt, kann die Fahrtkosten steuerlich geltend machen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du das Kilometergeld richtig abrechnest, welche Aufzeichnungspflichten gelten und worauf das Finanzamt bei Ärzten besonders achtet.
Kilometergeld für Ärzte: Grundlagen
Das amtliche Kilometergeld ist eine Pauschale des Bundesministeriums für Finanzen (BMF), die sämtliche Kosten eines privaten Fahrzeugs abdeckt – von Treibstoff und Abschreibung über Versicherung bis hin zu Wartung und Reifenverschleiß. Seit 2025 gilt die Kilometergeldverordnung (BGBl II Nr. 289/2024), die auch 2026 unverändert gültig bleibt.
Aktuelle Sätze auf einen Blick
| Fahrzeugtyp | Kilometergeld | Höchstgrenze |
|---|---|---|
| PKW / Kombi | 0,50 €/km | 30.000 km/Jahr |
| Motorrad | 0,25 €/km | 30.000 km/Jahr |
| Fahrrad / E-Bike | 0,25 €/km | 3.000 km/Jahr |
| Mitfahrer-Zuschlag | +0,15 €/km pro Person | – |
Für Ärzte, die viele Hausbesuche mit dem privaten PKW absolvieren, ergibt sich bei 30.000 km ein steuerfreier Maximalbetrag von 15.000 € pro Jahr.
Welche Fahrten zählen als Betriebsfahrten?
Nicht jede Fahrt eines Arztes ist automatisch eine Dienstreise. Das Finanzamt unterscheidet klar zwischen verschiedenen Fahrtarten:
Betriebliche Fahrten (abzugsfähig)
- Hausbesuche bei Patienten – der klassische Fall
- Fahrten zwischen Ordination und Krankenhaus
- Einkäufe für die Ordination (Medikamente, Verbrauchsmaterial)
- Fortbildungen und Kongresse
- Fahrten zum Steuerberater, zur Ärztekammer oder zur ÖGK
Nicht als Kilometergeld absetzbar
- Fahrten Wohnung–Ordination: Diese fallen unter die Pendlerpauschale, nicht unter das Kilometergeld
- Private Erledigungen zwischen zwei Hausbesuchen
- Umwege, die nicht beruflich begründet sind
Wichtig: Fahrten von der Wohnung direkt zum ersten Hausbesuch-Patienten gelten als Dienstreise, wenn der Patient mindestens 25 km von der Ordination entfernt wohnt. Die Rückfahrt von der letzten Visite zur Ordination zählt ebenfalls.
Kilometergeld oder tatsächliche Kosten?
Ärzte müssen sich zwischen zwei Methoden entscheiden – ein Wechsel innerhalb desselben Kalenderjahres ist nicht möglich:
Variante 1: Kilometergeld-Pauschale
Am sinnvollsten, wenn das Fahrzeug weniger als 50 % betrieblich genutzt wird. Das trifft auf viele Kassenärzte und Wahlärzte zu, die nur gelegentlich Hausbesuche machen.
- Einfache Dokumentation – nur Kilometer erfassen
- 0,50 €/km ohne Einzelbelege
- Maximal 30.000 km pro Jahr
Variante 2: Tatsächliche Kosten
Verpflichtend, wenn das Fahrzeug zu mehr als 50 % betrieblich genutzt wird. In diesem Fall wird das Fahrzeug zum Betriebsvermögen und muss ins Anlagenverzeichnis aufgenommen werden.
- Alle Kosten einzeln belegen (Treibstoff, Versicherung, Reparaturen, AfA)
- Keine Kilometerbegrenzung
- Luxustangente beachten: Anschaffungskosten über 40.000 € werden anteilig gekürzt
| Kriterium | Kilometergeld | Tatsächliche Kosten |
|---|---|---|
| Betriebliche Nutzung | unter 50 % | über 50 % |
| Dokumentation | Fahrtenbuch + km | Alle Belege + Fahrtenbuch |
| Maximale km | 30.000/Jahr | Unbegrenzt |
| Luxustangente | Nicht relevant | Ja (max. 40.000 €) |
Tipp für Wahlärzte: Wer nur wenige Hausbesuche pro Woche macht und die Ordination überwiegend stationär betreibt, fährt mit der Kilometergeld-Pauschale in der Regel besser. Ein jährlicher Vergleich beider Methoden lohnt sich dennoch.
Fahrtenbuch: Pflicht für Ärzte
Egal ob Kilometergeld oder tatsächliche Kosten – ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch ist die Grundvoraussetzung für die steuerliche Anerkennung. Das Finanzamt verlangt folgende Angaben für jede einzelne Fahrt:
- Datum der Fahrt
- Abfahrtsort und Ziel (z. B. Ordination → Patient Mustermann, Musterstraße 12)
- Zweck der Fahrt (z. B. Hausbesuch, Fortbildung)
- Gefahrene Kilometer (Tageskilometerstand empfohlen)
- Name des Patienten bei Hausbesuchen (ärztliche Schweigepflicht beachten – Initialen genügen dem Finanzamt in der Regel)
Häufige Fehler im ärztlichen Fahrtenbuch
- Nachträgliche Sammeleinträge: Das Fahrtenbuch muss zeitnah geführt werden – wöchentliche oder monatliche Sammeleinträge werden vom Finanzamt nicht anerkannt
- Fehlende Patientenangaben: Der Zweck „Hausbesuch” allein reicht nicht, es muss erkennbar sein, zu welchem Patienten die Fahrt ging
- Lücken im Kilometerstand: Sprünge im Kilometerstand deuten auf nicht erfasste Privatfahrten hin und gefährden das gesamte Fahrtenbuch
- Rundfahrten nicht aufgeschlüsselt: Wer an einem Tag mehrere Patienten besucht, muss jede einzelne Teilstrecke dokumentieren
Rechenbeispiel: Hausarzt mit wöchentlichen Visiten
Dr. Mayer, Allgemeinmediziner in Niederösterreich, macht pro Woche durchschnittlich 8 Hausbesuche. Die durchschnittliche Entfernung beträgt 12 km pro Besuch (Hin- und Rückfahrt).
- Wöchentliche Kilometer: 8 × 12 km = 96 km
- Jährliche Kilometer (48 Wochen): 96 × 48 = 4.608 km
- Kilometergeld: 4.608 × 0,50 € = 2.304 € pro Jahr
Fährt Dr. Mayer zusätzlich monatlich zu einer Fortbildung (100 km hin und zurück), kommen weitere 1.200 km hinzu:
- Gesamtkilometer: 4.608 + 1.200 = 5.808 km
- Gesamt-Kilometergeld: 5.808 × 0,50 € = 2.904 € pro Jahr
Da die 30.000-km-Grenze bei weitem nicht erreicht wird und die betriebliche Nutzung unter 50 % liegt, ist die Kilometergeld-Pauschale hier die optimale Wahl.
Kilometergeld als angestellter Arzt
Auch angestellte Ärzte – etwa im Bereitschaftsdienst oder bei Hausbesuchen im Auftrag einer Gruppenpraxis – können Kilometergeld beanspruchen. Der Arbeitgeber kann das Kilometergeld steuerfrei auszahlen (frei von Lohnsteuer, Sozialversicherung und Lohnnebenkosten).
Zahlt der Arbeitgeber kein oder weniger Kilometergeld, kann die Differenz als Werbungskosten in der Arbeitnehmerveranlagung geltend gemacht werden. Mehr dazu im Ratgeber Kilometergeld Österreich.
Tipps für die Praxis
- Fahrtenbuch digital führen: Eine App wie Tripbook erfasst Fahrten automatisch per GPS – das spart Zeit und vermeidet Fehler bei der händischen Eingabe
- Berufliche und private Fahrten sauber trennen: Bei gemischter Nutzung den betrieblichen Anteil exakt ermitteln
- Jährlichen Vergleich anstellen: Kilometergeld vs. tatsächliche Kosten – wer viel fährt, sollte beide Varianten durchrechnen
- Belege aufbewahren: Auch beim Kilometergeld müssen Fahrtenbücher und Aufzeichnungen mindestens 7 Jahre aufbewahrt werden
- Mitfahrer dokumentieren: Transportierst du einen Assistenten oder eine MFA, erhöht sich das Kilometergeld um 0,15 €/km pro Person
Fazit: Kilometergeld für Ärzte bei Hausbesuchen optimal nutzen
Das Kilometergeld für Hausbesuche ist für Ärzte in Österreich ein unkomplizierter Weg, berufliche Fahrtkosten steuerlich abzusetzen. Mit 0,50 € pro Kilometer und einer Obergrenze von 30.000 km/Jahr (15.000 €) lässt sich eine spürbare Entlastung erzielen. Entscheidend ist die lückenlose Dokumentation im Fahrtenbuch – Datum, Ziel, Zweck und Kilometer müssen für jede Fahrt nachvollziehbar sein. Wer das Fahrzeug zu weniger als 50 % betrieblich nutzt, wählt die Pauschale; bei höherer Nutzung sind die tatsächlichen Kosten der richtige Weg. Mit Tripbook dokumentierst du deine Hausbesuche automatisch und hast bei einer Finanzamtsprüfung jederzeit einen verlässlichen Nachweis. Mehr zum Thema Kilometergeld für Freiberufler findest du unter Kilometergeld für Selbstständige.